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Reinkarnation im Hinduismus
Foto: altanaka / Shutterstock.com

Reinkarnation im Hinduismus

Viele Europäer sind nicht wirklich mit dem vertraut, was die Menschen in fernen Ländern denken und an was sie glauben. Natürlich hat man eine vage Vorstellung oder einige Klischees im Kopf herumschwirren, aber wirkliches Wissen können nur die wenigsten vorweisen. Natürlich ist das verständlich, denn wir bekommen im monotheistisch geprägten Westen nur wenig von Religionen mit, welche nicht dieser Norm entsprechen.

Dank der Digitalisierung und unserer Smartphones können wir uns zwar in sekundenschnelle über jegliche Themen informieren, doch manche Dinge bedenkt man schliesslich einfach nicht. An was denken Sie zum Beispiel, wenn Sie sich Indien vorstellen? Vermutlich an riesige, dicht gedrängte Menschenmassen, sehr warmes und beinahe tropisches Klima und natürlich an eines: den Hinduismus.

Mit Bali gilt Indien als das Hauptzentrum für Hindus auf dieser Welt. Da Indien weltweit gesehen eine der grössten Bevölkerungen überhaupt hat, ist der Anteil der Hindus auf dieser Erde nicht gerade gering. Doch natürlich gibt es auch ausserhalb von Indien und Bali eine Menge gläubige Anhänger der polytheistischen Religion, welche im Gegensatz zu den uns gängigen Religionen zu mehreren Göttern beten, anstatt wie beispielsweise im Christentum oder im Islam zu ausschliesslich einem.

Wiedergeboren werden im Hinduismus

Ein weiterer wesentlicher Bestandteil des Hinduismus ist die Theorie der Reinkarnation. Denn auch hier bilden sich Gegensätze zu den meisten Religionen ab, welche an eine Wanderung der Seele in das "Paradies" glauben. Beim Hinduismus ist das ein wenig anders.

Die Anhänger des Hinduismus glauben an den Kreislauf der Wiedergeburten. Wie auch bekannt aus dem Buddhismus nennt sich dieser Samsara. Das Ziel der Gläubigen ist es, aus diesem Kreislauf auszubrechen und durch die Erlösung (Moskha) in das Nirwana zu gelangen. In welchem der ewig scheinende Kreislauf der Reinkarnationen ein Ende hat.

Das Erreichen dieses Ziels stellt eine Herausforderung dar. Das Nirwana ist nur für jene erreichbar, die es schaffen, genügend positive Karma-Punkte zu sammeln. Dementsprechend muss man ein tugendhafter Mensch sein und wohltätige Handlungen ausführen, um den endlosen Kreislauf des Samsara zu durchbrechen und in das Nirwana zu erlangen.

Zunächst folgen erst einmal Wiedergeburten für die gläubigen Hindus.

Es ist auch hier wichtig, mit einem positiven Karma-Konto wiedergeboren zu werden. Denn je besseres Karma ein Mensch erfährt, desto besser wird er im nächsten Leben wiedergeboren. Idealerweise wird man als Mensch in einer guten Kaste wiedergeboren.

Aber auch als Tier, Pflanze oder gar als Stein kann man reinkarniert werden, je nachdem, wie die Verteilung des Karmas aussieht. Jedenfalls ist das Ableben eines Menschen nicht das Ende für einen Hindu. Denn nach den Theorien des Hinduismus verlässt die unsterbliche Seele des Menschen namens Atman nur die körperliche Hülle, die anschliessend gegen eine andere getauscht wird.

Für Hindus ist das Ableben also nicht unbedingt eine negative Sache. Denn sie haben die Chance, ein besseres Leben zu führen als das, was sie davor gelebt haben. Alles, was es benötigt, sind gute Taten und das Leben als rechtschaffener Mensch, sodass die Seele im nächsten Leben in eine bessere Lage gerät. Doch so positiv diese Chance sein kann, so negativ kann sie auch sein. Denn wenn man sein Karma-Konto mit negativen Taten auffüllt, so dürften die Erwartungen an das nächste Leben nicht so rosig sein. Allerdings treibt gerade diese Vorstellung die Gläubigen dazu an, sich gut zu verhalten.

Rituale des Ablebens

Tatsächlich sind die letzten Momente eines Hindus sehr wichtig und werden auch nach dem Verscheiden des Gläubigen noch von den Verwandten zelebriert und geehrt. Schon vor dem Ableben bereiten sich die Menschen auf die Wiedergeburt vor und versuchen, alles so gut wie möglich zu machen. Schliesslich strebt jeder eine möglichst positive Reinkarnation an.

Nachdem der Gläubige seinen Körper verlassen hat, wird der Leichnam von den Verwandten und Freunden gewaschen, gesalbt und anschliessend mit den Füssen voraus aus dem Haus getragen. Die Familie verabschiedet sich nun, und bewegt sich fünfmal im Kreis um den Verstorbenen herum. Hiermit werden die fünf Elemente symbolisiert, aus welchen der Mensch besteht. Dann wird der Kopf beziehungsweise der Schädel des Körpers zerschlagen, sodass die Seele entweichen kann. Diese kehrt nun zum hinduistischen Gott Brahman zurück, sodass sie wiedergeboren werden kann.

Anschliessend wird der Körper verbrannt und nicht selten in den heiligen Fluss, den Ganges, gelegt. In manchen Ausnahmen wird der Körper nicht verbrannt, sondern er kommt direkt in den Ganges. Die besonderen Rituale des Hinduismus sind jedoch auch nach dieser Zeremonie noch nicht beendet.

Allein die Feiern bezüglich der Verbrennung können bis zu drei Tage dauern. Auch 13 Tage später trauern die Angehörigen noch um den Verstorbenen, allerdings still und privat. Das Ganze soll nicht öffentlich geschehen, da das Ableben eines Hindus im Grunde nichts Negatives ist. Als Zeichen der Trauer rasieren sich Söhne häufig den Kopf, wenn ein Elternteil von ihnen geht. Nach der Verbrennung meiden die Familienmitglieder den Kontakt zu anderen Personen, da sie zu diesem Zeitpunkt als unrein gelten. Sie unternehmen ausserdem ein Fastenritual und bleiben für eine bestimmte Zeit zu Hause.


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